Karlheinz Weißmann über den Kulturbruch von 1968

Am 9. März sprach der Historiker Dr. Karlheinz Weißmann in der Bibliothek des Konservatismus in Berlin über die wesentlichen Erkenntnisse seines aktuellen Buches Kulturbruch 68 Die linke Revolte und ihre Folgen?.

In diesem Jahr, in dem das Feuilleton großflächig die Liberalisierung durch 50 Jahre 68 feiert, sollten wir uns unbedingt bewusstmachen, mit welchen zersetzenden und zerstörerischen Ideen wir es hier bis heute zu tun haben.

Weißmann:

Und das, was sie jetzt erreichen, ist nicht nur eine gigantische Expansion des Bildungssektors, sondern überhaupt eine gigantische Expansion des gesamten Bereichs, der mit den Medien zusammengehangen hat, alle Bereiche, in den die Meinungsmacher wichtig werden das ist der Bereich, der jetzt tatsächlich einen ungeheuren Bedeutungszuwachs erfährt. Und in diesen Bereich kann man hineinströmen. […]

Dieser Marsch durch die Institutionen ist ursprünglich anders gemeint, als man ihn heute immer auffasst. Das heißt, gemeint war eigentlich, dass Dutschke der Überzeugung war, man müsse die bestehenden Einrichtungen des Staates systematisch unterwandern, um zu dem Zeitpunkt, an dem die Revolution dann offen ausbricht und von den eigentlich revolutionären Avantgarden getragen wird, auch von dieser Seite loszuschlagen oder aber die Verteidigungsbemühungen zu sabotieren. Das muss man zugeben: In der Form hat sich das nicht realisieren lassen.

Aber das, was ein kluger Amerikaner die lautlose Revolution genannt hat, das hat tatsächlich stattgehabt. In den gerade genannten Bereichen werden die 68er sich etablieren, sie werden dafür sorgen, dass ihre Vorstellungen, ihre Sprachregelungen vielleicht nicht immer zu 100 Prozent, aber vielleicht doch zu 60 und 70 Prozent festgesetzt werden, normativ werden, und sie werden dafür sorgen, dass niemand in den Bereichen, die sie einmal in die Hand bekommen haben, niemand, der von diesen Vorstellungen abweicht, irgendeinen Fuß auf den Boden bekommt. […]

Das wirklich Ausschlaggebende findet in den 70er-Jahren statt. In den 70er-Jahren findet eine so gravierende Linksverschiebung der Selbsteinschätzung der maßgebenden Kreise in der Bundesrepublik statt, dass klar ist, etwas Vergleichbares hat es zu keinem früheren Zeitpunkt in dieser Form gegeben. Und der damit eingeleitete Prozess hat auch dazu geführt, dass die Gleichsetzung von normal und links eben das Übliche geworden ist. […]

Und das ist meiner Meinung nach die eigentliche Folge, um die es geht, und deren Konsequenzen wir bis heute nicht bewältigt haben.?

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